Auf der Suche nach Brücken

Wie ein kleines gallisches Dorf der römischen Übermacht Paroli bietet und trotzdem nichts an seiner Lebensfreude einbüßt, so beweist auch der Evangelische Arbeits­kreis Charlottenburg-Wilmersdorf seinen (Über-)Lebenswillen als einziger aktiver Kreisverband des EAK in ganz Berlin.

Für uns ist das im Glauben an die Zukunft der Kirche

Am 28. Februar 2014 fand die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen statt. Die fast 30 Teilnehmer an diesem Abend zeigten nicht nur durch ihre Präsens sondern auch durch ihre Rede-Beiträge, dass ihnen die Verbindung von Glaube und Politik gerade in unserer Zeit und gerade in Berlin wichtig ist. So erklärte ein Teilnehmer, beruflich bei der Staatsanwaltschaft angesiedelt, sein Befremden darüber, dass nicht nur immer mehr Zeugen auf die Eidesformel mit religiöser Beteuerung verzichten, sondern vor allem immer mehr Zeugen gar nicht wissen, was die religiöse Beteuerung eigentlich ist.
In den Neuwahlen wurde der bisherige Vorstand bis auf eine Änderung bei den Beisitzern bestätigt und versprach, die bisherige Arbeit fortzusetzen und zu verbessern. In den letzten zwei Jahren sind vor allem „gemeinsame Abendessen“ mit verschiedenen Ehrengästen veranstaltet worden. Der Ehrengast hielt eine etwa halbstündige einführende Rede. Anschließend, beim gemeinsamen Essen, wurde über das jeweilige Thema diskutiert.

Die Abendessen waren stets sehr gut besucht, was sicherlich auch daran lag, dass die Themenwahl breit gestreut war. Unser Gast Manuela Bleiberg beispielsweise erklärte die Tradition des jüdisch-koscheren Essens, was dann anhand eines entsprechenden Büffets auch geschmacklich nachempfunden werden konnte.

Landespfarrerin Gabriele Lucht berichtete von ihrem Engagement auf dem Gebiet der Krankenhausseelsorge für die EKBO und der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche auf diesem Gebiet. Dr. Dirk Kroegel, stellvertretender Beauftragter für Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften im Berliner Senat, gab einen Überblick über die Voraussetzungen für die Anerkennung einer Religionsgemeinschaft mit dem Privileg, Kirchensteuer vereinnahmen zu dürfen. Er zeigte auf, welch Schwierigkeiten daraus für muslimische Gemeinden in Berlin resultieren. Landespfarrer Dr. Andreas Goetze beschrieb die Wesenszüge der Toleranz und stellte seine Arbeit als Beauftragter der EKBO für interreligiösen Dialog dar. Professor Wolfgang Benz wiederum berichtete von seiner langjährigen Arbeit als Leiter des Antisemitismusinstituts an der Technischen Universität Berlin. Er schilderte die Entwicklungen vom Antijudaismus zum Antisemitismus und ging auf die Parallelen zur Islamophobie ein.

Zukunft der Kirche
Im Mai 2014 steht nun die erste größere Bewährungsprobe des EAK Charlottenburg- Wilmersdorf bevor: Neben der Teilnahme an der Kundgebung zum Europa-Wahlkampf am 14. Mai 2014 auf dem Breitscheidplatz mit einem eigenen Stand stellt die für den 27. Mai 2014 geplante Podiumsdiskussion mit Frau Dr. Irmgard Schwaetzer, der Präses der EKD-Synode, und dem EAK-Bundesgeschäftsführer, Christian Meißner, zum Thema „Zukunft der Kirche“ eine Herausforderung für den noch jungen EAK dar. Für den Herbst des Jahres ist außerdem auf Bitten der Mitglieder ein Veranstaltungszyklus zum Thema „Verfolgte Christen weltweit“ in Vorbereitung.

Brücken zwischen Kirche und Politik zu bauen, ist das Anliegen unseres Arbeitskreises. Dieses kleine unbeugsame gallische Dorf – um im Bild des Eingangssatzes zu bleiben – hat sich insofern, wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, bestens bewährt. Mitstreiter und Gäste sowie Veranstaltungen und Aktivitäten auf der Suche nach den Brücken charakterisieren den kleinen Kreis und zeichnen ihn in seiner Effektivität aus. Für uns ist das im Glauben an die Zukunft der Kirche und an die Zukunft der Gemeinschaft der Bürger ein wesentlicher Schritt, daran zu arbeiten, dass Kirche und Politik sich gegenseitig ergänzen.

Carola Napieralla

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