Das Wetter von seiner besten Seite

Auch ohne Siebenschläfer zeigte das Wetter sich von seiner abwechslungsreichen Seite. Auf dem Weg zum Rathaus Charlottenburg goss es noch in Strömen, doch als wir uns vor dem Rathaus trafen und gemeinsam auf den Reisebus warteten, um die Fahrt nach Nikolskoe anzutreten, strahlte die Sonne.

Der Kulturstadtrat verkürzt die Fahrt durch ein paar historische Hinweise

Kurz nach 15 Uhr setzte sich der mit ca. 40 unternehmungslustigen Ausflüglern gut besetzte Bus in Fahrt und chauffierte uns die Potsdamer Chaussee entlang Richtung Zehlendorf. Selbst für einen eingefleischten Berliner ist diese grüne Pracht mitten in Berlin immer wieder faszinierend! Rechterhand die Havel fuhren wir über die kurvenreiche Allee, atmeten die Natur ein und wurden peu à peu von dem Stress des Alltags befreit. Klaus-Dieter Gröhler, Kulturstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf und Vorsitzender des Ortsverbandes Schloss, mit dem der EAK den Ausflug zusammen organisiert hatte, verkürzte die Fahrt durch ein paar historische Hinweise:

Prinzessin Charlotte, Tochter von König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen und spätere Zarin Alexandra Fjodorowna, war mit dem russischen Großfürsten Nikolaus Pawlowitsch (später Zar Nikolaus I.) verheiratet.

Nachdem der König seine Tochter 1818 in ihrer neuen russischen Heimat besucht hatte, ließ er in der Nähe der Pfaueninsel zunächst ein Blockhaus im russischen Stil errichten. Bei ihrem Gegenbesuch in der alten Heimat zeigte der stolze Vater seiner Tochter und ihrem Ehemann dieses neu gebaute Blockhaus und gab ihm – zur Ehre von Zar Nikolaus I. – den Namen Nikolskoe. Das Blockhaus gefiel seiner Tochter sehr und in einem vertraulichen Gespräch mit ihrem Vater äußerte sie, dass es doch sehr schön wäre, wenn an diesem Ort in der beschaulichen Abendstille Glockengeläut erklingen würde. Kein Wunsch seiner Tochter blieb unerfüllt und so erließ König Friedrich-Wilhelm III. 1832 die Order zum Bau einer Kirche, wobei er Wert darauf legte, dass die Kirche wie das Blockhaus im russischen Stil errichtet wird. An dem Bau waren die Architekten beteiligt, auf die Berlin auch heute noch voller Stolz zurückblickt: August Stüler, Peter Joseph Lenné, Albrecht Dietrich Schadow und Karl-Friedrich Schinkel zeichneten sich für Entwurf, Planung und Ausführung der kleinen wunderschönen Kirche verantwortlich. Am 13. August 1837 wurde die Kirche eingeweiht.

Wir bewunderten die künstlerischen Feinheiten
Aus der Vergangenheit zurück und an der Kirche angekommen, spielte das Wetter uns leider erneut einen Streich. Statt zunächst das Gotteshaus von außen bewundern zu können, schlüpften wir alle schnell in das schützende Innere. Hier empfing uns der Küster freundlich, hielt einen kurzen Vortrag über die Geschichte und die baulichen Besonderheiten der Kirche und erlaubte uns anschließend, selbst auf Erkundungstour zu gehen und dabei auch die Empore zu besteigen, um von dort die künstlerischen Feinheiten und die Orgel zu bewundern. Auch wenn das Wetter nun zwar beständig blieb, bestiegen wir doch alle schnellstens wieder den Bus, denn schließlich wollte sich keiner nach diesem historischen Kunstgenuss den angekündigten Kaffee und Kuchen entgehen lassen!

Im Hotel-Restaurant Schildhorn gab es beides frisch zubereitet! Geistig und lukullisch gut genährt fuhren wir glücklich wieder zum Rathaus Charlottenburg, vor dem wir gegen 18.15 Uhr ankamen. Nur drei Stunden Ausflug waren vorbei, und doch hatte ich das Gefühl, als wäre ich für lange Zeit in eine andere Welt eingetaucht. Für mich war das ein sehr erholsamer Nachmittag! Ich hoffe, alle anderen Beteiligten teilen meinen Eindruck!

Carola Napieralla

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