Morgenstern trifft Abendstern

Am 2. Juli 2015 trafen sich Befürworter und Gegner der „Ehe für Alle“ zum Gedanken­austausch in der Landesgeschäftsstelle der CDU Berlin. Für die Befürworter sprach Jens Spahn, MdB. Er wies darauf hin, dass die Konservativen den Kulturkampf um die Ehe gewonnen haben.

Die Ehe unterliegt schon immer auch einer gesellschaftlichen Entwicklung

Am 2. Juli 2015 trafen sich Befürworter und Gegner der „Ehe für Alle“ zum Gedanken­austausch in der Landesgeschäftsstelle der CDU Berlin. Für die Befürworter sprach Jens Spahn, MdB. Er wies darauf hin, dass die Konservativen den Kulturkampf um die Ehe gewonnen haben. In den 60er Jahren setzte sich die linke Szene dafür ein, die Ehe abzuschaffen, heute hat sie die Ehe für sich entdeckt und fordert ihre Ausweitung auch auf gleichgeschlechtliche Paare. Dass die Ehe in ihrer traditionellen Form noch besteht, sei ein Verdienst der Konservativen.

Schließlich gäbe es keinen konservativeren Wert als das Versprechen von Treue und gegenseitiger Verantwortung zwischen zwei Menschen.

Dieses Versprechen wird auch zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen gegeben, so dass nichts dagegen spräche, dies auch als Ehe zu bezeichnen. Im Übrigen unterlag die Ehe schon immer auch einer gesellschaftlichen Entwicklung: noch vor 50 Jahren hätte beispielsweise der Ehemann den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen können, was heute im Zeitalter der Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht mehr geht.

Gleichwertigkeit der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe?
Zu den Gegnern der „Ehe für Alle“ zählt Burkhard Dregger, MdA, der insbesondere darauf hinwies, dass es aus seiner Sicht keinen Anlass gibt, die Definition der Ehe zu ändern. Hieran hält er trotz oder gerade wegen der Entwicklungen beispielsweise in den USA und in Irland fest. Denn im Gegensatz zu Deutschland gibt es in diesen Regionen nicht die Möglichkeit der Verbindung zur eingetragenen Lebenspartnerschaft. Er erkennt in vollem Umfang die Gleichwertigkeit der eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe an, will sich auch weiter dafür einsetzen, dass es keine Diskriminierungen für homosexuelle Paare gibt und dass die Rechtsfolgen der eingetragenen Partnerschaft denen der Ehe angeglichen werden, sofern es noch an der einen oder anderen Stelle Abweichungen gibt. Doch die Ehe an sich bleibt für ihn die Verbindung von einem Mann und einer Frau, die traditionell eingegangen wird, um daraus auf natürlichem Weg eine Familie mit Kindern zu gründen.

Kreditantrag ausfüllen, ohne sich „zu outen“
In der sich anschließenden Diskussion bewiesen die Teilnehmer trotz des emotionalen Themas und der heißen Temperaturen auf der Straße einen kühlen Kopf. Dr. Michael Garmer, MdA, wies darauf hin, dass die Frage nach der „Ehe für Alle“ nicht aus politischem Kalkül sondern rein aus Überzeugung entschieden werden sollte. Ein anderer Teilnehmer beschrieb seine Verärgerung darüber, dass er gezwungen sei, stets seine sexuelle Orientierung angeben zu müssen, wenn er „eingetragene Lebenspartner­schaft“ statt „verheiratet“ ankreuzen muss. So könnte er beispielsweise nicht einmal einen Kreditantrag ausfüllen, ohne sich „zu outen“. Ein weiterer Teilnehmer äußerte seine Besorgnis, dass sich die Ehe, wenn man anfängt, an ihrer Definition zu feilen, weiter auflösen könnte, z. B. indem künftig auch mehrere Menschen eine Ehe eingehen können.

Pro: Ehe für Alle

Contra: Ehe für Alle

Carola Napieralla

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