Soziales

Ich bin ein Fremder gewesen

Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufge­nommen!“ (Matthäus 25,35). Presse­mit­teilung des EAK, vor dem Hinter­grund der nicht abbre­chenden, großen Flüchtlings­bewegungen nach Deutschland und Europa und den damit verbun­denen huma­nitären und politi­schen Heraus­for­de­rungen.

Die gewal­tigen Flücht­lings­be­we­gungen nach Deutschland und Europa stellen für uns eine ganz besondere humanitäre, gesell­schaft­liche und politische Heraus­for­derung dar. Das Gebot der Stunde lautet jetzt: All dieje­nigen, die in größter Verzweiflung und aufgrund von schwerer Not und Verfolgung den Weg zu uns finden, müssen erst einmal menschen­würdig unter­ge­bracht und schnell mit allem Nötigsten versorgt werden. Die enorme ehren­amt­liche Hilfs­be­reit­schaft und Gastfreund­schaft des ganz überwie­genden Teils der deutschen Bevöl­kerung, die in diesen Tagen zu Recht auf der ganzen Welt große Beachtung und Wertschätzung erfährt, verdient hohe Anerkennung und großen Dank. Die Entscheidung von Bundes­kanz­lerin Dr. Angela Merkel in einer beson­deren humani­tären Notlage schnelle Hilfe zu gewähr­leisten, entspricht dem christ­lichen Menschenbild und ist ein Gebot der christ­lichen Nächs­ten­liebe.

Überlastete Kommunen müssen entlastet werden

Ebenso wichtig ist es aber auch, dass wir in Deutschland zügig wieder ordent­liche und geregelte Verfahren sicher­stellen. Einer­seits müssen die Asylver­fahren nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln beschleunigt werden, damit den tatsächlich Verfolgten Schutz, Hilfe­leis­tungen und eine zügige Integra­ti­ons­per­spektive eröffnet werden kann. Anderer­seits muss auch klar sein, dass dieje­nigen, die keinen Anspruch auf Asyl genießen, hier keine Bleibe­per­spektive haben können und zeitnah sowie konse­quent in ihre Herkunfts­länder zurück­ge­führt werden. Hier sind vor allem die Bundes­länder gefordert. Die überlas­teten Kommunen müssen von Bund und Ländern stärker unter­stützt und entlastet werden.

Aber nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa ist dieser Tage aufge­fordert, sich wieder neu als Werte­ge­mein­schaft zu verstehen. Zu den Grund­werten des vereinten Europas gehören der Schutz der Menschen­würde und die gelebte Solidaritäts­verpflichtung gegenüber den Geschun­denen, Verfolgten und Notlei­denden, die bei uns Zuflucht suchen. Alle Mitglieds­staaten der Europäi­schen Union stehen in der Pflicht, Verfolgte aufzu­nehmen.

Wer sich auf die Werte des christ­lichen Abend­landes beruft und sich um das christ­liche Erbe unseres Konti­nents sorgt, sollte wissen, dass der aufer­standene Christus selbst es ist, der uns in diesem Augen­blick zuruft: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufge­nommen!“ (Matthäus 25,35)

In allen europäi­schen Ländern muss jetzt klar sein, worum es geht: Das Projekt des vereinten Europas auf der Basis gemein­samer humani­tärer Werte darf an dieser akuten Flücht­lings­frage nicht scheitern. Deshalb müssen wir gemeinsam eine europäische Antwort finden. Wir unter­stützen das Ziel eines einheit­lichen europäi­schen Asylrechtes, wie es auch Bundes­in­nen­mi­nister Dr. Thomas de Maizière vorge­schlagen hat. Das beinhaltet auch, dass wir mit allen Anstren­gungen die Flucht­ur­sachen in den Herkunfts­ländern bekämpfen müssen, um auch denen Unter­stützung, Sicherheit und Hilfe zu leisten, die in den Krisen­re­gionen vor Ort bleiben müssen. Dem EAK ist klar, dass gegenüber der Aufnahme der Flücht­linge die große und langfristige Aufgabe die Integration ist.

[ Presse­mit­teilung vom 17.09.2015 des EAK ]

Heraus­for­de­rungen der gegen­wär­tigen Asyl- und Flücht­lings­po­litik
in Deutschland und Europa

Das könnte auch interessant sein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.