Soziales

Nächstenliebe ist Ausdruck der zivilen Gesellschaft

Obwohl in unseren Breiten­graden die Säkula­ri­sierung immer mehr voran­schreitet, bewegt es trotzdem die Menschen, wenn anderen Orts Gläubige verfolgt werden. Nächs­ten­liebe ist eben nicht nur ein bibli­scher Gedanke sondern auch Ausdruck einer zivilen Gesell­schaft.

So behauptete Dr. Peter Tauber in einem Interview (Quo vadis CDU, 2014), dass Veran­stal­tungen zum Thema Pflege im Alter oder Chris­ten­ver­folgung die Menschen bewegen – und Recht hat er: Im Herbst 2014 hat der Evange­lische Arbeits­kreis Charlot­tenburg-Wilmersdorf in Koope­ration mit der Jungen Union eine Veranstaltungs­reihe zum Thema Chris­ten­ver­folgung angeboten. Trotz der Fokus­sierung auf das Kernthema gab es verschiedene Perspek­tiven, unter denen das Problem behandelt wurde.

Beispiels­weise gab Professor Werner Dahlheim einen Überblick über die Christen­verfolgung im Imperium Romanum (Römisches Reich). Sein Resümee war erschüt­ternd, denn durch einen Vergleich der römischen Chris­ten­ver­folgung mit der in Japan während des 16./17. Jahrhun­derts gelangte er zu dem Ergebnis, dass es einer Regierung tatsächlich gelingen kann, eine Religion vollständig in einem Land zu elimi­nieren.

Welches Land welche Hindernisse zu beheben hat

Sybille Möller-Fiedler, stell­ver­tre­tende Landes­vor­sit­zende des EAK Hamburg, stellte das Leben der Christen in Israel und in Palästina gegenüber. Sie wies unter anderem auf den EU-Außen­mi­nister-Beschluss vom 15. Mai 2012 hin, in dem aufge­führt wird, welches Land welche Hinder­nisse auf dem Weg zu einer Zweistaa­ten­lösung zu beheben hat. Das quanti­tative Ungleich­ge­wicht innerhalb dieser Aufstellung führte unter den Teilnehmern zu Empörung, weil hiernach Israel 7 Problem­felder (u.a. völker­rechtswidrige Siedlungen auf besetztem Gebiet, Verhin­derung fried­licher Aktivi­täten der Paläs­ti­nenser, Zwangs­um­sied­lungen etc.) zu lösen habe, während Palästina nur drei Punkte (Raketen­an­griffe aus dem Gazastreifen, Förderung eines eigenen Staats­aufbaus, Unter­lassen der Aufsta­chelung der Medien) lösen müsste.

Der lange Weg der Christen

Das Leben der Christen in der Türkei wurde von Dr. Yasar Aydin vorge­stellt. Er beschrieb den langen Weg der Christen als einer schutz-befoh­lenen Minderheit im Osmani­schen Reich hin zu gefähr­lichen Fremden im 20. Jahrhundert. Gegen­wärtig erkennt er jedoch trotz der rigiden Herrschaft von Erdogan hoffnungs­volle Tendenzen in der Türkei. Gerade die Entstehung einer Bildungs­schicht innerhalb der Gesell­schaft führe dazu, dass sich die Menschen mit ihrer eigenen Geschichte kritisch ausein­an­der­setzen und sich trotz unter­schied­licher Religionen annähern.

Für die christ­liche Verei­nigung Open Doors berichtete Wolfgang Boguslawski über die Lage der Christen in Nordkorea. Dank eines „Urlaubs“ in Nordkorea schil­derte er nicht nur, was durch die Medien allgemein bekannt ist sondern auch seine persön­lichen Erleb­nisse. Für unsere säkular geprägte Gesell­schaft in der BRD vielleicht nicht nachvoll­ziehbar, wies er darauf hin, dass sich das Chris­tentum trotz gezielter Verfolgung in Nordkorea immer stärker ausbreitet, da es den Menschen einen Lebens­inhalt vermittelt und Hoffnung verspricht.

Professor Heribert Hirte leitet seit Februar 2014 den Stepha­nus­kreis der CDU-Bundes­­­tags­­fraktion. Der Stepha­nus­kreis ist eine überkon­fes­sio­nelle Verei­nigung, die sich gegen Chris­ten­ver­folgung und für Menschen­rechte einsetzt. Der Vortrag von Heribert Hirte umfasste allge­meine Infor­ma­tionen zum Thema „Verfolgung aus religiösen Gründen“.

Weltweit herrscht auch im 21. Jahrhundert in den meisten Ländern keine Religi­ons­freiheit. Dabei ist das Recht auf Religi­ons­freiheit, also das Recht, jede beliebige Religion anzunehmen oder aber nicht anzunehmen, das wichtigste Menschen­recht, weil aus seiner Verletzung diverse weitere Rechts­ver­let­zungen (körper­liche Unver­sehrtheit, Vertrau­lichkeit des Wortes, Bewegungs­freiheit, Meinungs­freiheit) resul­tieren.

Abschließend benannte Heribert Hirte drei Aufga­ben­ge­biete der Politik, in denen weltweit für mehr Religi­ons­freiheit gesorgt werden kann: Vertei­di­gungs­po­litik, Entwick­lungs­hilfe (gekoppelt an bestimmte Voraus­set­zungen) und Auslän­der­recht im eigenen Land. Anknüpfend an den Punkt Auslän­der­recht stellte Dr. Robert Seegmüller, Richter am Verwal­tungs­ge­richt Berlin und Verfas­sungs­ge­richt Berlin, den Ablauf eines Asylver­fahrens aus richter­licher Sicht dar. Er wies unter anderem auf das praktische Problem hin, dass Antrag­steller oft während eines Asylver­fahrens mehrere Krank­heits­bilder „nachschieben“, was zu einer erheb­lichen Verlän­gerung des Verfahrens führen kann, da jeweils neue Gutachten eingeholt werden müssen.

Die Unter­schied­lichkeit der Vorträge zeigt die Vielschich­tigkeit der Probleme. Das wird uns auch in kommenden Veran­stal­tungen weiter beschäf­tigen.

[ Carola Napieralla ]

Das könnte auch interessant sein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.