Mensch & Kirche

Neubau oder Modernisierung?

Im Juli trafen sich auf Anregung des EAK-ChaWi, Vertreter der Evange­li­schen Kirche Berlin-Brandenburg schle­sische Oberlausitz (EKBO) und Vertreter des Bezirks­amtes Charlot­tenburg-Wilmersdorf, um über die Zukunft des Haus der Kirche zu sprechen.

Bauherr dieses Gebäu­de­kom­plexes, war ehemals der Berliner Stadt­syn­odal­verband, der die Archi­tekten Konrad Sage, Karl Hebecker und Heinz Richter mit der Planung und dem Bau beauf­tragte. Errichtet wurde es in den Jahren 1964 bis 1967. Der Gebäu­de­komplex erstreckt sich entlang der Goethe­straße von der Weimarer Straße zur Krumme Straße und besteht aus vier Gebäu­de­teilen.

Die Evange­lische Kirche nutzte das Ensemble ursprünglich, um Studenten Wohnraum zu bieten: in dem längst der Goethe­straße gelegenen Komplex standen Wohnungen für verhei­ratete Studenten zur Verfügung. Im Haus an der Krumme Straße befand sich ein Studen­ten­wohnheim. Für das Personal waren in dem Haus an der Weimarer Straße Wohnungen vorge­sehen. Auf dem zwischen den drei Bauten befind­lichen Innenhof, der gepflastert ist und auf dem heute noch drei wunder­schöne alte Bäume den dort parkenden PKWs Schatten spenden, steht ein weiteres Gebäude, in dem Saal- und Seminar­räume unter­ge­bracht sind.

Amt für kirchliche Dienste

Heute wird das ehemalige Haus der Kirche als „Amt für kirch­liche Dienste“. Als Einrichtung der Aus-, Fort- und Weiter­bildung trägt es zur Quali­fi­zierung für den Dienst in Schule und Gemeinde, zur Seelsorge sowie zur Wahrnehmung gesamt­ge­sell­schaft­licher Verant­wortung in der gesamten Landes­kirche bei, ohne dass der Gebäu­de­komplex dafür in vollem Ausmaß genutzt werden kann. Denn selbst ein Laie erkennt schnell, dass das Haus modernen Anfor­de­rungen nicht genügt: Das Haus wurde im Stahl­be­ton­ske­lettbau und mit Ziegel­sicht­mau­erwerk errichtet, so dass man in den schmalen Gängen das dünne Mauerwerk sehen kann. Selbst im Sommer lässt sich erahnen, wie kalt es hier im Winter ohne Kälte­iso­lierung sein muss. Auch die Breite der Gänge stellt ein unüber­wind­bares Hindernis für eine öffent­liche Nutzung der Räumlich­keiten dar, denn als Rollstuhl­fahrer kommt man hier kaum durch. Deswegen und wegen zahlreicher weiterer Nutzungs­ein­schrän­kungen, die ihre Ursache in der Eigenart von Konstruktion und Struktur haben, kann das Objekt nicht seinen aktuellen Aufgaben gemäß genutzt werden.

Die Evange­lische Kirche Berlin-Brandenburg schle­sische Oberlausitz plant jedoch, diesen inner­städ­ti­schen Raum nachhaltig für zentrale kirch­liche Aufgaben zu sichern: Ziel ist es, einen neuen, modernen Anfor­de­rungen entspre­chenden und behin­der­ten­ge­rechten Bau zu errichten, der sich in die Gegend einfügt und für Quali­fi­zie­rungen unter­schied­lichster Art genutzt werden kann. Es sollen Aus- und Fort- und Weiter­bil­dungen für beruf­liche und ehren­amt­liche Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter aus Kirche und Gesell­schaft angeboten werden. Dem gewach­senen städti­schen Umfeld sollen außerdem Angebote für betreutes Wohnen und weitere soziale Einrich­tungen zur Verfügung gestellt werden.

Pläne der Kirche drohen zu scheitern

Um diese über die aktuellen Möglich­keiten quali­tativ weit hinaus­wei­sende Nutzung der Gegend zu erreichen, ist ein Neubau des „Haus der Kirche” erfor­derlich. Eine Moder­ni­sierung des vorhan­denen Gebäu­de­kom­plexes scheitert nicht nur an den unver­hält­nis­mäßig hohen Kosten, die durch eine Sanierung entstehen würden – sie ist unter der Aufrecht­erhaltung des Anspruchs an das kirch­liche Nutzungs­profil praktisch überhaupt nicht durch­führbar.

Die Pläne der Evange­li­schen Kirche Berlin-Brandenburg schle­sische Oberlausitz drohen jedoch zu scheitern. Völlig überra­schend hat sich der Denkmal­beirat Charlot­tenburg-Wilmersdorf dafür ausge­sprochen, das „Haus der Kirche“ unter Denkmal­schutz zu stellen. Begründet wird diese Empfehlung mit Verweis auf die Leistungen des Archi­tekten Konrad Sage, wobei völlig außer Acht bleibt, dass das Gebäude in seinem jetzigen Zustand nicht sinnvoll genutzt werden kann. Eine Unter­schutz­stellung hätte zwangs­läufig den Rückzug der Kirche von diesem Standort zur Folge – mit dem Ergebnis extremer Ungewissheit, was dann aus dem leeren Baudenkmal werden würde. Es bleibt zu hoffen, dass die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung Charlot­tenburg- Wilmersdorf sich mit diesem Thema detail­liert ausein­an­der­setzt, damit gegenüber der Trini­ta­tis­kirche mit einem neuen Gebäude neues Leben an diesen Platz einzieht.

[ Carola Napieralla ]

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